Wirtschaft

Geplatztes Tankjet-Geschäft heizt Protektionismusdebatte an
Paris/Washington/Berlin (dpa) - Entrüstung in Europa nach dem Aus für EADS im Kampf um ein «Jahrhundertgeschäft» mit der US-Luftwaffe: Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) warf der amerikanischen Regierung am Dienstag deutliche Bevorzugung des EADS-Konkurrenten Boeing vor.
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EADS und sein US-Partner Northrop Grumman EADS/Airbus hat keine Chance mehr auf das «Jahrhundertgeschäft» mit der US-Luftwaffe.

Die EU-Kommission nannte es höchst bedauerlich, dass sich das Konsortium aus Northrop Grumman und EADS nicht imstande sehe, für den Auftrag zu bieten. Northrop Grumman und das europäische Luft- und Raumfahrtunternehmen EADS hatten wenige Stunden zuvor ihren Rückzug aus dem Bieterwettbewerb über 179 Tankflugzeuge im Wert von 35 Milliarden Dollar verkündet. Beide Konzerne begründeten dies mit unfairen Wettbewerbsbedingungen. Die Ausschreibung sei voll auf den Konkurrenten Boeing zugeschrieben. «Auch bei der Beschaffung von Rüstungsgütern sollte der freie Wettbewerb nicht einseitig eingeschränkt werden», sagte Brüderle.

Offene Beschaffungsmärkte garantierten besseren Wettbewerb und größeren Nutzen für den Steuerzahler, erklärte EU-Handelskommissar Karel De Gucht. Sollte sich herausstellen, dass die Ausschreibungsbedingungen einen offenen Wettbewerb verhindert hätten, wäre die EU-Kommission «äußerst besorgt».

Der Chef der EADS-Tochter Airbus, Thomas Enders, warf der US- Regierung Voreingenommenheit vor. Das Pentagon äußerte sich «enttäuscht». Zugleich wies das US-Verteidigungsministerium den Vorwurf unfairer Wettbewerbsbedingungen zugunsten des amerikanischen Konkurrenten Boeing zurück, dem nunmehr das Feld allein überlassen ist.

«Die Folge ist, dass die USA nicht das beste Flugzeug bekommen werden, das es gibt», spottete EADS-Chef Louis Gallois bei der Bilanzvorlage. Eine alleinige Beteiligung von EADS an der Ausschreibung sei ausgeschlossen. «Wenn Northrop Grumman (...) analysiert, dass wir keine Chance haben zu gewinnen, dann denke ich nicht, dass wir alleine eine Chance haben», sagte Gallois.

Sollten die USA die Ausschreibung allerdings ändern, werde EADS eine Bewerbung prüfen. EADS hatte noch unter der Regierung von Ex- Präsident George W. Bush den Zuschlag für das Geschäft erhalten. Auf Druck von Boeing war der Auftrag allerdings neu ausgeschrieben worden. Die US-Luftwaffe muss 534 Tanker und Frachter ersetzen. Das verspricht langfristig ein Geschäft von 100 Milliarden Dollar. Im ersten Los geht es um 68 Maschinen für zwölf Milliarden Dollar und undatierte Folgeaufträge für 111 Flugzeuge.

Northrop Grumman (NGC) hatte schon vor drei Monaten gedroht, das Handtuch zu werfen, weil mit gezinkten Karten gespielt werde. So hatte Boeing Einsicht in das Airbus-Preisangebot erhalten und konnte sein Angebot darauf abstimmen.

«Die jetzige Ausschreibung ist klar maßgeschneidert auf den kleineren und weniger leistungsfähigen Flieger der Konkurrenz», sagte Enders der Deutschen Presse-Agentur dpa. «Die Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Es geht hier nicht mehr um das beste Tankflugzeug und auch nicht um einen fairen Wettbewerb.» US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte 2009 erklärt, er könne auch nur mit einem Boeing- Angebot leben.

Der stellvertretende US-Verteidigungsminister William Lynn betonte in einer schriftlichen Stellungnahme, Northrop Grumman habe sich bei einer ersten Ausschreibung 2008 als wettbewerbsfähig erwiesen. «Wir sind fest davon überzeugt, dass der derzeitige Wettbewerb fair strukturiert ist und dass beide Unternehmen effektiv miteinander konkurrieren können.» Änderungen bei der Ausschreibung seien nicht erfolgt, um den einen oder anderen Bewerber zu bevorzugen, fuhr Lynn fort.

Der EADS-Tanker KC-45 ist vom Großraumflugzeug Airbus A330 abgeleitet und hat bisher alle internationalen Wettbewerbe gegen Boeings KC-767 gewonnen. Das Modell KC-767 basiert auf dem alten Verkehrsjet Boeing 767 und wurde nach dem Verlust der ersten amerikanischen überarbeitet. EADS hatte für den Airbus-Tanker ein eigenes Werk in den USA bauen wollen, in dem auch die A330-Frachter montiert werden sollten.
Artikel vom 09.03.2010 - 14.59 Uhr
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