Rinteln
Ende einer Justizposse: Ruinen verschwinden Rinteln (wm). Ein Schandfleck am Eingang der Stadt wird bald verschwunden sein. Für einen Euro hat die Stadt Rinteln in einem Zwangsversteigerungsverfahren das Gelände der ehemaligen Sassenbergschen Kieswerke erworben. Das bedeute allerdings nicht, schränkte Jörg Schröder ein, erster Stadtrat und Jurist im Rathaus, dass die Stadt Rinteln künftig jede Ruine aufkaufen werde, die ein Privatmann vergammeln lasse. Die Stadt habe dieses Grundstück vielmehr erworben, weil es an exponierter Stelle am Eingang der Stadt Rinteln liege und direkt neben dem Friedhof.

Ruinenlandschaft an den Sassenbergschen Kiesteichen – mehrmals hat es hier schon gebrannt. Fotos: tol
Wie Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz erläuterte, gebe es mehrere Optionen für eine sinnvolle Nutzung des Geländes: So könne der Generationenpark in der Nachbarschaft erweitert werden. Außerdem eigne sich das Gelände hervorragend für Ausgleichsmaßnahmen, die angeboten werden müssen, wenn Flächen versiegelt werden.
Zunächst, so Buchholz, werde sich der städtische Bauhof die Ruinen ansehen, um festzustellen, was in Eigenregie der Stadt abgerissen werden kann. Für manche Arbeiten werde man allerdings einen auf Abbrucharbeiten spezialisierten Unternehmer brauchen. Auf rund 60 000 Euro sind die Abrisskosten schon einmal geschätzt worden, Buchholz hofft, das es preiswerter gehen könnte.
Es ist das Ende eine über sechs Jahre dauernden juristische Posse, der Streit um das Gelände. Das Amtsgericht hatte sich lange vergeblich bemüht, dem Eigentümer Hans Sassenberg, der in den USA lebt, die Abrissverfügung der Stadt und danach den Beschluss für eine Zwangsversteigerung zuzustellen.
Dabei ist Sassenberg mehrmals in Rinteln gesichtet worden. Die USA lagen sozusagen „auf der anderen Straßenseite“, wie das Schröder einmal pointiert formuliert hat. Die Anwälte, die Sassenberg vertreten haben, hatten wiederum keine Vollmacht, einen Beschluss entgegenzunehmen.
Weil Gefahr im Verzuge war und in den Ruinen durch Brandstiftung immer wieder Feuer aufflackerte, außerdem dort schon spielende Kinder gesichtet worden waren, ließ die Stadt schließlich einen rund 350 Meter langen Zaun entlang der Alten Kasseler Straße bauen.
Die Mühlen der Justiz mahlen zwar langsam, aber meist sicher: So wurde nach den vergeblichen Zustellungsversuchen die anstehende Zwangsversteigerung im Gericht öffentlich ausgehängt. Ein Gutachter bewertete den Verkehrswert des Grundstückes auf einen Euro, die Stadt muss jetzt die Verfahrenskosten tragen.
Der Grundeigentümer wie seine wechselnden Anwälte hatten lange Zeit wissen lassen, auf dem Grundstück sollten wieder Betriebe angesiedelt werden, von McDonald’s war die Rede, gar von Mercedes, dann von einem Parkplatz. Wie man heute weiß, alles Luftnummern. Das offensichtlich nicht zu lösende Problem: Ein Teil dieses Gebiets liegt im vor rund zehn Jahren von der damaligen Bezirksregierung neu definierten Überschwemmungsgebiet – obwohl dort noch nie Hochwasser gestanden hat. Deshalb gibt es Stimmen, die sagen, die Ausweisung als Hochwassergebiet wäre damals nur ein Coup des Rates gewesen, um dort eine Marktkaufansiedlung zu verhindern. Die war politisch damals einfach nicht gewollt. Geplant war auf dem Nachbargelände auch der Bau eines Baumarktes. Dass diese Pläne gescheitert sind, hat der Stadt einen verärgerten Grundeigentümer beschert.
Der Streit um die Fläche riss nie ab: So wollten vor Jahren Naturschützer in dem Gestrüpp ein Biotop für aussterbende Arten entdeckt haben – prompt ließ der Grundeigentümer alles abholzen. Das Gelände wurde als Schuttmülldeponie missbraucht wie von Motorgroßfahrern als Testgelände. Und einmal im Jahr beschäftigte sich der zuständige Bauausschuss mit der Frage, wie man das Problem lösen kann. Es ist ein Gelände mit Geschichte. Hier stand einst ein Kieswerk, dann sollten dort zu Zeiten von Stadtdirektor Heinrich Büthe Wohnhäuser gebaut werden. Das scheiterte, weil man sich nicht über die Kosten für eine Zufahrt von der damaligen Kasseler Straße hatte einigen können.