Rinteln
„Kinder sollen ihre Zukunft nicht zerstören“ Rinteln (mld). Mal eben ein paar Urlaubsbilder hochladen, einem Kumpel auf dessen öffentlichem Nachrichtenboard mal eben zwei witzige Zeilen schreiben, selbst gedrehte Filme von der letzten Party hochladen oder der besten Freundin schreiben, was man vom Mathelehrer hält: Online-Plattformen wie SchülerVZ, Facebook, Youtube oder Myspace sind für viele Kinder und Jugendliche wie elektronische Spielwiesen, auf denen einfach alles erlaubt ist.
„Was dabei aber viele übersehen ist, dass das alles im Netz bleibt“, sagt Rintelns Polizeichef Wilfried Korte. Gerade die Schüler der fünften bis siebten Klassen gingen leichtfertig mit ihren Daten im Internet um, fügt Elke Adam, Vorsitzende des Rintelner Schulelternrates, hinzu – unabhängig, ob die Schüler von Gymnasium, Real- oder Hauptschule stammen.
„Das Bewusstsein für dieses Problem muss herausgekitzelt werden“, sagt Korte, und kennt einen Mann, dem das schon oft gut gelungen sei: Moritz Becker, Sozialpädagoge, Eltern-Medien-Trainer, Lehrbeauftrager an der Fachhochschule Hildesheim, Dozent an der niedersächsischen Landesmedienanstalt und Mitarbeiter des Hannoveraner Vereins „Smiley“, der an niedersächsischen Schulen Medienkompetenz vermittelt.
Dementsprechend heißt der Abend, zu dem die Polizei, das Gymnasium Ernestinum, der Schulelternrat und der Präventionsrat einladen, auch „Spuren im Internet“. Am kommenden Mittwoch, 16. Juni, wird Becker, selbst Vater zweier Töchter in der Pubertät, um 19.30 Uhr zu diesem Thema in der Aula des Ernestinum einen Vortrag halten. Becker wird sich unter anderem mit der Sicherheit von Online-Plattformen und Chats beschäftigen, mit Persönlichkeitsrechten in Videoportalen wie Youtube sowie die Rolle der Eltern in der Medienerziehung ansprechen.
Denn die Nachrichten, Bilder und Daten, die man als Zwölfjähriger vielleicht im Internet hinterlässt, können noch Jahre später zum Problem werden: „In der Oberstufe kommt dann oft das große Hallo“, sagt Adam. Die Online-Jugendsünden können schnell zum Problem beispielsweise bei Einstellungsgesprächen werden. „Kinder und Jugendliche sollen sich ihre Zukunft nicht kaputtmachen“, sagt Korte. Doch nicht nur Schüler müssten sensibilisiert, auch den Eltern und Lehrern die Augen geöffnet werden, fügt Adam hinzu. „Eltern gucken oft weg. Aber sehen sie irgendwann doch hin, entdecken sie, dass ihre Kinder sich in Welten bewegen, die man als Elternteil gar nicht wahrhaben will.“
Das Thema sei Adam als dreifacher Mutter nicht fremd. Sie ist auf die Polizei sowie auf weiterführende Schulen zugegangen, um das Thema „Spuren im Internet“ gemeinsam anzugehen. Auch Korte hat mit den Folgen unbedachten Handelns im Internet immer wieder zu tun: Die Internetkriminalität gehe „steil bergauf“, so der Polizeichef. Internetkriminalität, das heißt: Betrug, Mobbing, Nachstellung. Unter anderem. „Davor sind wir auch hier in Rinteln nicht sicher“, sagt Korte.
Moritz Beckers Vortrag soll erst der Anfang sein, die „Auftaktveranstaltung“ nennt das Korte. Nach den Sommerferien soll der Vortrag entweder an weiteren weiterführenden Schulen in Schaumburg gastieren oder aber Abende zu speziellen Internetthemen, etwa Mobbing, veranstaltet werden. Wer sich vor dem Vortrag informieren will: Im Foyer der Rintelner Sparkasse in der Klosterstraße steht eine Schautafel zum Thema.
Beckers Vortrag dauert etwa zwei Stunden. Der Eintritt ist kostenlos, die Kosten übernimmt das Ernestinum. Schüler, Eltern, Lehrern und Interessierte können kommen.
„Vor Internetkriminalität sind wir auch hier in Rinteln nicht sicher“: Elke Adam und Wilfried Korte laden zum Vortrag über die „Spuren im Internet“. Foto: mld