Rinteln
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Ex-Profi Marmon: „Ich habe früher mehr Hunger gehabt“

Vom Minikicker zum Fußballprofi: Experten diskutieren, was in der Nachwuchsförderung läuft und besser werden muss
Neale Marmon
Neale Marmon
F. Ordenewitz
F. Ordenewitz
Bernd Dierssen
Bernd Dierssen
Jürgen Holletzek
Jürgen Holletzek

Rinteln (dil). Wie kann es ein Nachwuchstalent aus Rinteln in den Profifußball schaffen? Ehrgeiz, Einstellung und Training, Training, Training. Dass der Profi in spe auch entdeckt wird, kann bei der heutigen Nachwuchsförderung als sicher gelten. Oft, zu oft versuchen Väter auch, dabei nachzuhelfen. Aber insgesamt wachsen offenbar weniger Supertalente nach, außer bei Mädchen. Was ist zu tun?

Bei der Podiumsdiskussion im Rahmen des SCR-Festkommers‘ unter Moderation von DeWeZet-Chefredakteur Frank Werner stellte NFV-Präsident Karl Rothmund zunächst fest, dass der demografische Wandel zu weniger Spielernachwuchs führe. Kleinere Mannschaften, kleinere Spielfelder seien eine Gegenmaßnahme des DFB, um vielerorts überhaupt noch Mannschaftsspiele zu ermöglichen. Spielgemeinschaften sind angesagt, um auch Nachwuchs aus kleinen Vereinen zum Spielen zu bringen. Rothmund: „Kleine Vereine sind schließlich unsere Basis.“

Frank Ordenewitz, Ex-Nationalspieler und heute Talentscout bei Werder Bremen, erklärte, dank der intensiven Nachwuchssichtung und -förderung durch Profi-Klubs und Verbände bleibe kaum noch ein Supertalent unentdeckt. „Aber es fehlt vielen der Wille, unseren Kindern geht es heute zu gut. Sie haben nicht mehr gelernt, sich zu quälen“, stellte Ordenewitz fest. „Auf gute Einstellung, Ehrgeiz und viele Trainingseinheiten kommt es an“, meinte Jürgen Holletzek, seit drei Jahren Leiter der Fußballschule von Hannover 96. Aber wann haben die Kinder heute dafür Zeit? Ex-Profi Bernd Dierssen: „Früher wurde gleich nach der Schule gebolzt, heute gibt es viele andere Angebote. Die Aktion Minispielfelder des DFB ist ein guter Weg, damit wieder überall gebolzt werden kann. Oft ist aber auch nachmittags Schule.“ Dierssen warnte wie die anderen Experten auch davor, Talente zu früh von zu Hause weg in Leistungszentren zu holen, was die jungen Männer oft überfordere. Solche Entscheidungen solle man von der individuellen Eignung abhängig machen. Mindestens bis zur C-Jugend sollten Talente im Verein und bei der Familie bleiben.

Neale Marmon, der es vom SCR-Jugendkicker über Preußen Hameln bis zu 202 Spielen in der 2. Bundesliga geschafft hat, startete einst als Niedersachsenmeister im Schwimmen, biss sich dann aber im Fußball durch und sagt rückblickend, was seinen Erfolg ausmachte: „Ich habe früher mehr Hunger gehabt als die Jugendlichen heute.“

Doch wie sorgt man für mehr Talente, die es bis zum Profi schaffen? Günther Klußmeyer, Vorstandsmitglied der Sparkasse Schaumburg, erklärte, Sparkasse und Volksbanken würden den Jugend- und Breitensport fördern, unter anderem, damit es eine gute Basis für die Spitze gebe. Holletzek empfahl den Weg über Leistungsstützpunkte auf Kreisebene, in denen sich die Jugendlichen qualifizieren können. Dierssen riet schon bei sehr jungen Spielern zu Trainern, die gute charakterliche Vorbilder sind.

Und Holletzek meinte abschließend: „Der SC Rinteln hat gute Nachwuchskicker und ist auf dem richtigen Weg. Das habe ich im vergangenen Jahr selbst gesehen.“

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