Rinteln
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Immobilienfonds übernimmt Seetor-Pflegeheim

Betreiber Kenneth Woods: Hamburger keine „Heuschrecken“ / Auf Führung des Heims keinen Einfluss

Rinteln (wm). Ende März will Dipl.-Ing. Walter Greve, Geschäftsführer der Kontur Bau Vision GmbH in Hameln, das Alten- und Pflegeheim am Seetor an Kenneth Woods und David Seidler übergeben, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft für Sozialeinrichten S & W. Nicht „schlüssel-, sondern löffelfertig“ – und das sei kein Scherz, betonte Greve, die Einrichtung bis zum Besteck und den Tassen gehöre zum Vertragsumfang.

Wenn das Haus Anfang April eröffnet, ist es bereits zur Hälfte belegt: 40 Senioren hätten sich bereits angemeldet, schilderte gestern Woods in einem Telefongespräch, weitere Anfragen lägen vor.

Dass das DRK inzwischen die Pläne aufgegeben hat, am Ostertor ein Alten- und Pflegeheim zu bauen, und sich der Bau des geplantes Heimes in der Nordstadt um ein Jahr verzögert, kommt Woods zwar gelegen, sei aber nicht ausschlaggebend für die Chancen auf dem Markt: „Wir haben einen deutlichen Standortvorteil.“ Im Nordstadt-Projekt sieht Woods ohnehin keine Konkurrenz, mit einem dritten Heim allerdings, wie vom DRK geplant, wären das gut 200 zusätzliche Pflegebetten geworden, das hätte zumindest für die nächsten fünf Jahre „die Situation schwieriger gemacht“, nicht so sehr bei der Belegung der Betten als bei der Suche nach geeigneten Fachkräften.

„Für die Startphase“ am Seetor sei das Personal inzwischen eingestellt, berichtete Woods. Wie zu hören war, will Gaby Branahl, früher Pflegedienstleiterin in der Burghofklinik, diese Position am Seetor übernehmen. Mit der steigenden Zahl der Bewohner würden auch weiterhin Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen eingestellt, so Woods. Dafür ist eine Internetseite eingerichtet worden (www.seetor-rinteln.de).

Noch vor der Fertigstellung hat die Immobilie den Besitzer gewechselt von Hameln nach Hamburg, von der Kontur Bau Vision GmbH zur Immac AG, einem Immobilienfonds. Für Greve eine ganz normale Transaktion: „Wir entwickeln und bauen solche Projekte, behalten sie aber nicht im Bestand.“ Das sei beim Seetor sogar von Anfang an klar gewesen.

Auf die Art und Weise, wie das Heim betrieben werde, versicherte Woods, habe der Besitzerwechsel keinerlei Einfluss: „Wir stehen da in einem Vermieter-/Mieterverhältnis.“ Änderungen im Vertrag habe es nicht gegeben, „die hätten wir auch nicht akzeptiert“. Die Befürchtung, eine „Heuschrecke“ habe das Haus übernommen und der Renditegedanke stehe jetzt im Vordergrund, sei absolut unbegründet, betonte Woods.

Jan Lucht, Finanzvorstand der Immac Holding AG, bemühte sich, das zu untermauern: So sei die Immac Spezialist für stationäre Pflegeeinrichtungen, seit 1996 im Geschäft und habe bisher noch kein Objekt verkauft: „Wir spekulieren damit nicht.“ Man handle mit den Heimbetreibern langfristige Pachtverträge aus, auf das „operative Geschäft“ nehme man keinen Einfluss. Pflegeheimimmobilien sind ein Spezialmarkt, der sich entwickelt hat, weil durch die demografische Entwicklung Neubauten gebraucht werden, sowie, alte, nicht mehr marktfähige Pflegeheime ersetzt werden müssen. Auf der Internetseite der Immac wird für Sozialimmobilien als „zweistelliger Milliardenmarkt“ geworben: „Nur wenige Anlagemärkte haben heutzutage das Potenzial, das Pflegeheim-Immobilien bieten.“ Ein kostengünstig gebautes und gut geführtes Pflegeheim sei eine sichere Investition. Die Unternehmensphilosophie der Immac hatte Vorstandsvorsitzender Thomas Roth Anfang des Jahres in einem Interview mit der Fachzeitschrift „Finanzwelt“ so erläutert: „Die Schieflagen in der Vergangenheit sind fast ausnahmslos durch zu hohe Pachten ausgelöst worden. Wird der Betreiber überfordert, leidet die Qualität von Pflege und Verpflegung. Qualitätsmängel haben Belegungsprobleme zur Folge.“

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