Rinteln

Ein Blütengold, das die Leber schädigt
Rinteln (wm). Die Leser schlagen Alarm, das giftige Jakobskreuzkraut, früher eher ein bescheidenes Mauerblümchen, breite sich auf Brachflächen und an den Straßenrändern vor allem in den Dörfern immer mehr aus.
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Es sorgt für bunte Wiesen, ist aber für Tiere gefährlich, weil hoch giftig: Das Jakobskreuzkraut breitet sich auch auf dem Brachen bei Rinteln immer weiter aus. Foto: pr.
Die Pflanze wird bis zu einem Meter hoch, blüht mit goldgelben Körbchenblüten, zerreibt man Blätter stinken sie ekelhaft. So warnt die Pflanze vor ihrem Gift – toxischen Alkaloiden, die Rindern, Schafen und Pferden gefährlich werden, auch wenn sie später im Heu oder in der Silage vorhanden sind.

Ulrich Hartmann, Leiter des städtischen Grünflächenamtes und zuständig für die Grünanlagen der Stadt zeigte sich überrascht: Sicher, es gebe Jakobskreuzkraut, aber eine massenhafte Ausbreitung sei ihm noch nicht aufgefallen“.

Leser sehen das anderes: Gemeldet werden große Vorkommen in Exten und auf einer Brachfläche neben einer ehemaligen Obstplantage in Strücken. In Exten ist einer Wiese so zugewuchert gewesen, dass sie der Landwirt umgebrochen hat. Denn die Verbreitung kann nur eingedämmt werden, wenn das Aussamen verhindert wird.

Auch Diplom-Biologe Thomas Brandt hält die Alarmmeldungen für übertrieben. Es sie möglich, dass die Giftpflanze zurzeit vermehr auftrete, doch das habe sich bald erledigt. Das Jakobskreuzkraut werde künftig zwangsläufig wieder zurückgedrängt, denn immer mehr Bauern nutzten ihre einstigen Stilllegungsflächen für die Gewinnung von Biomasse für Biogasanlagen. Und auf landwirtschaftlich genutzten Böden dürfen im Gegensatz zu Brachflächen Unkrautvernichtungsmittel wie beispielsweise Round-up eingesetzt werden. Für Landwirte, die Heu für ihre Rinder und Pferde machen, hat Brandt zurzeit nur eine Empfehlung: Die Wiese vorher ansehen und das Kraut eben ausreißen.

Dass Brandt für das Giftkraut Sympathien hegt, hat einen anderen Grund: Es ist Futter für die Blutbären, eine Nachtfalterart, die auf der Roten Liste steht. Die Raupen der Falter werden dann selbst derart giftig, dass die Vögel sie nicht fressen wollen.

Die Alkaloide in der Pflanze schädigt bei Tieren schon in verhältnismäßig kleinen Dosen die Leber. Die Landwirtschaftskammer NRW warnt vor dem Gewächs und empfiehlt dessen Beseitigung.
Artikel vom 17.06.2009 - 23.00 Uhr

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