Obernkirchen

Sechs Gespräche mit ernsthaftem Hintergrund
Obernkirchen (rnk). Es war nicht ganz einfach, es hat zudem auch ein paar Monate gedauert, aber am 1. Juli war es dann doch so weit: Morgens hat Mario Kirsch die Türen geöffnet, die Bergstadt hat ein Geschäft mehr: Marios Zoohandel bietet in der Rathenaustraße 18 alles rund um das Haustier. Damit verschwindet zugleich ein Schandfleck der Stadt: Das ehemalige chinesische Restaurant, das jahrelang ungepflegt leer stand.
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Bei Mario Kirsch sind Aquaristik- und Terraristikfreunde an der richtigen Adresse – nicht nur, wenn sie grüne Frösche suchen. Foto: rnk
Kirsch bietet dort alles an, was das Herz des Aquaristik- und Terraristikfreundes höher schlagen lässt, außerdem Zubehör für Hunde, Katzen, Vögel, Ersatzteilservice, Trocken- und Lebendfutter. Er schließe, so formuliert es Stadtkoordinatorin Dörte Worm, „hier eine Angebotslücke“.

Besonders erfreulich sei es auch, dass sich hier Eigentümer und Mieter gefunden haben, obwohl die direkte Kontaktvermittlung für Worm nicht ganz leicht war. Wichtig sei ihr, so Worm, dass sich eine Kontaktplattform entwickelt, bei der Nachfrage und Angebot zusammenlaufen, bei der eine Nachfrage – wenn sie da ist – auch an die entsprechenden Eigentümer vermittelt werden kann.

Über Angebotslücken und damit untrennbar verbunden leer stehende Geschäfte verfügt die Bergstadt reichlich. Dagegen hatte Dörte Worm den Tag des Leerstandes initiiert, um Suchende und Anbieter zusammenzuführen. Ein schnelles Zwischenfazit will sie nach gut fünf Wochen nicht ziehen, insgesamt werde man erst innerhalb des nächsten halben Jahres sehen, ob und wenn ja, welche Immobilien vermietet werden können. Dörte Worm schätzt, dass es sechs Gespräche am Tag des offenen Leerstandes gegeben hat, die einen ernsthaften Hintergrund hatten und zu Hoffnungen Anlass geben würden.

Als kleinen Erfolg verbucht die Stadtkoordinatorin, dass Obernkirchen mit dem Tag des Leerstandes positive Schlagzeilen erzeugt habe, sogar zwei Fernsehteams waren in der Bergstadt zum Drehen. Und dass Obernkirchen positiv überregional gesehen wurde, zeigte etwa auch der Anruf eines Interessenten aus Peine.

Unter anderem habe sich im Nachgang des Immobilien-Tages in der Bergstadt eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, der unter anderem Joachim Gotthardt als Vorsitzender der Wirtschaftsförderung, aktive Gewerbetreibende und Melanie Thiem als Vorsitzende der Schaumburger EFAS sowie die Stadtkoordinatorin angehören, um gemeinsam nach neuen Möglichkeiten zu forschen, wie dem Innenstadtwandel begegnet werden kann. Eine davon könnte sein, die leeren Geschäfte Firmen anzubieten, die dort dann werben könnten.

Positiv anzusehen ist es auch, so Worm, dass eine große Anzahl von Eigentümern den Tag des offenen Leerstandes aktiv begleitet haben, persönlich vor Ort waren, sich anlässlich der Veranstaltung mit anderen Eigentümern austauschen und auch einmal andere Immobilien ansehen konnten. Auch so könne sich langsam ein Netzwerk der Eigentümer entwickeln, das eine Innenstadtentwicklung in jedem Fall positiv begleiten könne. Dörte Worm: „Je mehr Kontakt untereinander und zu einer festen Institution wie die der Stadtkoordination besteht, desto leichter lassen sich Ideen transportieren und umsetzen.“

Dörte Worm selbst darf ihre Ideen zu Leerständen zurzeit immer wieder Kommunen der Region des Weserberglandes erläutern. Selbst der Niedersächsische Regionalverband in Göttingen zeigt Interesse und hat sie als Referentin gebucht. Und auch der Bürgermeister durfte zum gleichen Thema sprechen: bei der „Deutschen Vernetzungsstelle Ländliche Räume“ – ein Netzwerk, das sich aus Institutionen und Personen zusammensetzt, die in der ländlichen Entwicklung aktiv sind – und guten Ideen gegenüber immer aufgeschlossen sind. Schäfer durfte er bei einem Workshop in Berlin referieren.
Artikel vom 24.07.2010 - 00.00 Uhr

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