Auetal
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Ein Zeitungspferd – mit einem Augenzwinkern

Thomas Perl gestaltet einen künstlerischen Beitrag für die Welfenstadt Braunschweig

Hattendorf (rnk). Es gibt Einladungen, die kann man nicht ausschlagen, auch wenn sie das Einkommen nicht aufbessern und eigentlich nur Arbeit machen. Gute zehn Tage hat Thomas Perl damit zugebracht, ein Pferd zu bemalen, zu bekleben, künstlerisch ins Leben zu rufen.

Denn das Pferd gehört zu einem Braunschweiger Projekt, wo in diesem Jahr zum zehnten Mal die Löwen-Classics ausgetragen werden; ein Pferdesportereignis der Extraklasse, wie man beim Braunschweiger Stadtmarketing betont. Die Grundidee ist einfach und nicht unbedingt neu: Künstler gestalten ein Tier. Das hat in Berlin Aufsehen erregt, als Anfang des neuen Jahrtausends der „Buddy Bär“ als individuell bemalte und lebensgroße Bärenskulptur aus witterungsbeständigem, glasfaserverstärktem Kunststoff seinen Siegeszug um die Welt antrat, zuvor hatte die Zürcher Kuh-Kultur im Jahr 1998 mit einem ähnlichen Konzept durchaus einiges an Aufsehen erregt.

In Braunschweig ist das Projekt sozial eingebunden. Paten übernehmen jeweils eines der insgesamt 25 Pferde, also den weißen Rohling. Über einen Künstlerwettbewerb wurden dann die Künstler gefunden. Dass der Hattendorfer Thomas Perl mit dabei ist, erklärt sich auch daraus, dass in der Löwenstadt die Galerie zu finden ist, die Perl seit Jahrzehnten vertritt.

Weil Perl mit der Braunschweiger Zeitung einen Paten aus dem Printbereich besitzt, lag es nahe, den Rohling passend zum Paten zu gestalten. Und so liest sich das Tier wie eine kleine Geschichte der Druckkunst der letzten Jahrzehnte. Wo sich sonst der Sattel findet, liegt bei Perl ein Bleiaufsatz; Passerkreuze sind zu sehen, also die Hilfsmittel auf dem Druckbogen, um bei mehrfarbigen Druckarbeiten die einzelnen Teilfarben und deren Druckplatten exakt aufeinander zu bringen; einmal zitiert sich Perl selbst, als er einen alten Artikel über ihn verarbeitet, der am 6. Mai 1993 die Leser darüber unterrichtet, wie der junge Künstler Perl für den guten Zweck malt. Er selbst hat auch einen Bezug zu den Printmedien. Sein Vater hat in der Anzeigen-Abteilung der Kölnischen Rundschau als Grafik-Designer für Anzeigen und Gebrauchsgrafik gearbeitet. Im Rahmen eines Praktikums konnte Sohn Thomas erste Erfahrungen mit grafischen Techniken im Anzeigenbereich und später während des Kunststudiums Erfahrungen mit Sieb, Offset und Tiefdruck machen. So schließen sich kleine und große Kreise, und alles mit einem kleinen Augenzwinkern. Und natürlich ist die Handschrift des Künstlers am Pferd deutlich sichtbar. Da finden sich immer noch die satten Farben, die abstrahierte Sachlichkeit, die in seinen Bildern den berühmten Reiz ausmachen.

Einen Stammplatz wird das Pferd im Eingangsbereich des Braunschweiger Zeitungsverlages finden, zunächst wird es mit den anderen Pferden in der Braunschweiger Innenstadt und danach während der Löwen-Classics präsentiert werden. Und natürlich geht es auch um Geld, wenigstens ein bisschen: Es kommt von den Sponsoren, den Paten, eben jenen rund 25 unterschiedlichen Firmen aus Braunschweig und Umfeld, die die Pferde gekauft haben. Ganz billig war das nicht: 2300 Euro plus die Kosten für den Rohling mussten investiert werden. Das Geld, so erzählt Perl, geht dann in den Topf für therapeutisches Reiten und den Reiternachwuchs.

Als verschenkte Zeit würde Perl die Arbeit am Pferd daher nicht werten, eher als kleinen Urlaub. Auch wenn Perl nicht so gerne darüber spricht, auch, wenn er abwehrend die Hände hebt, so ist die Arbeit für den guten Zweck für ihn nichts wirklich Neues: Schon in seinem Examensgutachten hatte einst Professor Jörg Heydemann 1986 auf diesen Wesenszug hingewiesen; das kritische Bewusstsein für soziale Fragen, das sich in konkreter Hilfe ausdrückt und künstlerisch verarbeitet wird, zeichnete Perl schon damals aus.

Seinen Platz wird das Pferd zunächst bei der Braunschweiger Zeitung finden, Perl selbst hat zurzeit wieder einen engeren Bezug zur Welfenstadt: Bis zum 24. Februar stellt er in der Braunschweiger Galerie Jaeschke aus.

Ja, da steht ein Pferd im Atelier: Thomas Perl hat sich einige Tage mit einem Rohling und der Zeitungsgeschichte befasst. Das Ergebnis zieht jetzt nach Braunschweig um.

Foto: rnk

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