Hessisch Oldendorf
Weniger Dreck, aber „sauber sieht anders aus“ Segelhorst (doro). Mindestens zehn Zentimeter Durchmesser habe der Stein in der letzten Kurve vor Segelhorst wohl gehabt, erzählt Klemens Doppke. Eine Felge, zwei Reifen und die Spur seines Wagens habe er beschädigt, als seine Frau damit auf der Strecke von Langenfeld nach Segelhorst unterwegs war. Der Langenfelder gehört zu einer Abordnung des kleinen Süntel-Ortes, die sich die Anti-Schmutz-Maßnahmen der Norddeutschen Naturstein GmbH im Segelhorster Steinbruch an diesem Tag einmal genauer betrachten will. Ob der Stein wirklich aus dem Steinbruch stammt, wagt Lothar Methfessel, Betriebsleiter für Segelhorst und Steinbergen, allerdings zu bezweifeln. „Wenn überhaupt, dann war das ein Einzelfall.“
Aber die Gruppe aus Langenfeld ist noch lange nicht fertig. „Klar, die neue Waschanlage wirkt schon, die Straße ist nicht so dreckig wie vorher, aber keinesfalls sauber“, kritisiert ein Bürger. Das läge daran, dass die Fahrer, nachdem sie durch die Anlage gefahren sind, oft erst mal Pause vor dem Gelände des Steinbruchs machten. Dort tropfe dann das dreckige Wasser ab, bilde Pfützen, deren schmutziges Wasser dann wieder auf die Straße getragen werde, sagt ein anderer.
Die Langenfelder beobachten die Maßnahmen der Norddeutschen Naturstein GmbH mit Argusaugen, viele Jahre haben sie unter dem Schmutz gelitten, den Steinbrucharbeiten nun mal mit sich bringen. Anfang des Jahres lief das bekannte Fass dann über, eine Sitzung wurde anberaumt, die Führungsspitze des Unternehmens mit einbezogen. Herausgekommen ist die neue Waschanlage und eine Ablaufrinne (wir berichteten). Letztere sei allerdings nicht ausreichend, wenn es so richtig schütte, „da muss eine zweite Rinne her“, sagt Horst Hauser, Ratsmitglied aus Langenfeld, beim vereinbarten Ortstermin mit dem Betriebsführer, Ortsbürgermeister Helmut Klausing und Hessisch Oldendorfs Bürgermeister Harald Krüger.
Dass die Muldenkipper auch nach der Dusche noch einen feinen Staubfilm haben, lasse sich nicht vermeiden, so Lothar Methfessel, da die Anlage mit recyceltem Wasser betrieben werde. Selbst mit diesem System müssten pro Tag 1000 Liter Frischwasser zugeführt werden.
Vermeiden lasse sich dagegen unter Umständen, dass die Lkw vor dem Tor des Steinbruchs dauerparken und die Fläche verschmutzen. Da für die Straße vor dem Steinbruch die Stadt zuständig ist, will der Bürgermeister zeitnah die rechtlichen Voraussetzungen für Halteverbotsschilder in diesem Bereich von der Verkehrskommission prüfen lassen. Mit einem Ergebnis sei aber erst nach den Sommerferien zu rechnen.
„Ab April nächsten Jahres beginnen wir, die Steinbrecher und die Silos in den oberen Teil des Steinbruchs zu verlegen“, erläuterte Methfessel außerdem. Erstaunte Gesichter rief die Aussage hervor, dass die bestehenden Silos (drei bis vier werden zusätzlich aufgebaut), wenn es losgeht, komplett auf die Seite gelegt und in einem Stück nach oben transportiert werden. Das, was im unteren Bereich übrig bleibt, werde abgerissen. Kosten in Höhe von 200 000 bis 300 000 Euro verursache dabei allein die Verlegung der Steuerung, von Starkstrom und Trafos. Ein eigenes Kraftwerk lohne jedoch nicht, so der Betriebsführer auf Nachfrage von Krüger. Investiert werden sollen insgesamt sechs Millionen Euro.
Nehmen konnte Methfessel den Langenfeldern zudem die Angst, dass irgendwann einmal eine Straße über den Berg zum Abtransport des Materials gebaut wird, „dafür gibt es keine Genehmigung“.
Die Langenfelder begutachten beim Ortstermin im Segelhorster Steinbruch die neue Waschanlage, die die Norddeutsche Naturstein GmbH gekauft hat, damit die Muldenkipper die Straße nicht mehr verdrecken.Foto: doro