Vergilbt, aber nicht vergessen
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„Ein gottbegnadeter Künstler“

Vor 80 Jahren: Der gefeierte Musiker Richard Sahla stirbt in Bückeburg
Der Dirigent, Violinvirtuose und Komponist Richard Sahla – dank seines künstlerischen Engagements erlebte Bückeburg eine v
Der Dirigent, Violinvirtuose und Komponist Richard Sahla – dank seines künstlerischen Engagements erlebte Bückeburg eine viel beachtete, mehr als zwanzig Jahre andauernde musikalische Blüte. Repro: gp

Bückeburg (gp). Er war eine herausragende Persönlichkeit der heimischen Musikgeschichte: Vor 80 Jahren, am 6. Mai 1931, wurde in Bückeburg der Violinvirtuose, Dirigent und Komponist Richard Sahla zu Grabe getragen. Sahla war schon zu Lebzeiten ein gefeierter Mann. „Er ist ein gottbegnadeter, erlesener Künstler“ urteilte 1917 Arthur Nikisch, legendärer Chef des Leipziger Gewandhausorchesters. „In der ganzen musikalischen Welt wird sein Name als einer der glänzendsten genannt“.

Dass ein Mann dieses Kalibers überhaupt ins gerade mal 5600 Einwohner zählende Bückeburg gekommen war, war dem damaligen Fürsten Adolf Georg zu verdanken. Der schwerreiche Schlossherr wollte die bereits im 17. Jahrhundert von seinen Vorgängern begründete große Musiktradition der Residenz wieder aufleben lassen.

Geboren war Sahla 1855 im österreichischen Graz. Der Sohn aus gutbürgerlicher Familie lernte Geige und Klavier. Schon früh eilte ihm der Ruf eines musikalischen „Wunderkinds“ voraus. Als er in seiner Heimatstadt nichts mehr dazulernen konnte, ging er ans Leipziger Konservatorium – damals „Mekka der Geiger“ genannt.

Mit dem Abschlussdiplom in der Tasche startete Sahla eine beeindruckende Karriere. Schon bald wurde er zur ersten Riege der Violinvirtuosen gezählt. „Er entlockt seiner Stradivari überirdische Töne. Goldene Reinheit paart sich mit dem Dufte süßer Poesie“, schwärmte ein Kritiker 1880 nach einem Auftritt in der Wiener Hofoper, bei dem Sahla Paganinis atemberaubendes Violinkonzert Nr. 1 Es-Dur vorgetragen hatte.

Auch außerhalb der Orchesterbühne zog der zierliche Mann die Leute in seinen Bann. Zeitgenossen schilderten ihn als außerordentlich geistvollen, charmant-liebenswürdigen Gesprächspartner.

1888 folgte Sahla dem Ruf zum Leiter und Chefdirigenten der Bückeburger Hofkapelle. Schon nach kurzer Zeit hatte er das gut 30-köpfige Ensemble zu einem leistungsfähigen Klangkörper geformt. Das musikalische Leben Bückeburgs erregte zunehmend überregionale Aufmerksamkeit.

Das steigerte sich noch, als 1906 mit dem neuen Rathaussaal ein repräsentativer Rahmen geschaffen worden war. Bis dahin hatte die Kapelle im Hotel „Deutsches Haus“ an der Langen Straße gespielt.

Das besondere Augenmerk Sahlas galt den jungen, damals noch weitgehend unbekannten zeitgenössischen Komponisten, darunter Bruckner, Mahler, Sibelius, Berlioz und Richard Strauß. Die Residenz sei damals „zu einer Pflegestätte der musikalischen Avantgarde geworden“, urteilte der aus Bückeburg stammende Musikwissenschaftler Professor Hannsdieter Wohlfahrt in einem Beitrag über das Musikleben jener Zeit.

Bei den Konzerten stand oft auch – neben anderen renommierten Solisten – Sahlas Ehefrau Anna Ruth auf der Bühne. Die Deutsch-Amerikanerin war eine bekannte Sopranistin. Zu ganz großen Ereignissen gerieten zwei Abende im März 1911 mit Uraufführungen Max Regers. Der Komponist, ein enger Freund Sahlas, saß im Rathaussaal selbst am Klavier.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs kam auch das fürstliche Mäzenatentum zum Erliegen. Für den zuvor gefeierten und über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg bekanntesten Bückeburger Künstler brachen schwere Zeiten an. Zeitweise musste Sahla sein Brot in Hannover als Kaffeehausgeiger verdienen. Seinen letzten großen öffentlichen Auftritt hatte er 1925 bei einem Jubiläumskonzert aus Anlass seines 70. Geburtstags im Rathaussaal.

Fünf Jahre später warf ihn ein Schlaganfall aufs Krankenlager. Nur ab und an sah man ihn danach, begleitet und umsorgt von seiner Frau, im Rollstuhl durch den Schlosspark fahren. Am 30. April 1931 starb Richard Sahla in seiner Wahlheimat. Dem Trauerzug zum reformierten Friedhof folgten zahlreiche Verehrer und Freunde. „Der die Freude und den Sonnenschein liebte, ging von uns unter leuchtendem Frühlingshimmel“, schrieb die Schaumburg-Lippische Landes-Zeitung.

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