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Sascha "Busy" Bühren - Der Kosmetiker

Keiner kann es besser: Sascha „Busy“ Bühren aus Bad Oeynhausen macht Musik schöner
Sascha „Busy“ Bühren in der Regie seines Studios True Busyness in Berlin.  Foto: pk
Sascha „Busy“ Bühren in der Regie seines Studios True Busyness in Berlin. Foto: pk
Busys Gesellenstück: das Album „Music Monks“ von Seeed.
Busys Gesellenstück: das Album „Music Monks“ von Seeed.
Ein Schlüsselmoment: das Debütalbum von Curse aus Minden.
Ein Schlüsselmoment: das Debütalbum von Curse aus Minden.
Busys erste Veröffentlichung: Blaque mit „It‘s a Blaque Thing“ .
Busys erste Veröffentlichung: Blaque mit „It‘s a Blaque Thing“ .

Bad Oeynhausen/Berlin. Er ist der Mann, der im Hintergrund die Fäden zieht und zuletzt Unheilig, Deichkind und Helene Fischer zum deutschen Musikpreis Echo verholfen hat. Er verpasst Musikproduktionen den letzten Schliff. „Audio Mastering“ nennt sich das. In Deutschland kann das zurzeit niemand besser als Sascha „Busy“ Bühren (42) aus Bad Oeynhausen. Redakteur Philipp Killmann hat ihn in seinem Studio in Berlin besucht.

„Hast du etwas Zeit mitgebracht?“, fragt Busy an einem Freitagabend bei der Begrüßung in seinem Studio und macht damit gleich bei der ersten Begegnung unmissverständlich klar: Sein Name ist Programm, Busy (englisch: beschäftigt) ist beschäftigt. Bevor er sich dem Interview mit der lokalen Presse aus der Heimat widmen kann, muss er noch eben die Single von Yasha mastern. „Die Produzenten warten schon“, sagt er mit Blick auf die Uhr. Yasha landete an der Seite von Rapper Marteria und Sängerin Miss Platnum mit dem Song „Lila Wolken“ letztes Jahr einen Nummer-1-Hit. Jetzt steht Yashas eigenes Album an. Die Termine drücken, Busy verschwindet wieder in der Regie.

An den Flurwänden des 175 Quadratmeter großen True-Busyness-Studio in Berlin-Moabit hängen Goldene Schallplatten von The BossHoss, dem Soundtrack von Kokowääh, Peter Fox, Unheilig, Seeed, Culcha Candela, Silbermond und Silly, Musiker, für deren Sound Busy immer mal wieder wesentlich mitverantwortlich war. Offensichtlich ist Busy heute in jeder Musik zu Hause – ob Rock oder Ragga. Das war nicht immer so.

Busy kommt vom Hip-Hop. Es waren seine Produktionen und Masterings, die den Sound der deutschen Rap-Landschaft maßgeblich mitprägten. Rap war sein Sprungbrett in die Pop-Industrie. Das deutsche Hip-Hop-Magazin Juice verglich ihn schon mit der amerikanischen Produzentenlegende Pete Rock. Der Witz: Dass Busy heute der gefragteste Audio Master Deutschlands ist, diesen Status hat er sich von seiner Heimatstadt aus erarbeitet – dem beschaulichen Bad Oeynhausen.

Schließlich kommt Busy aus der Regie. „So, feddich!“, sagt er und fängt an zu erzählen. Als Anfang der 80er Jahre die Hip-Hop-Kultur in all ihren Facetten – Rap-Musik, Breakdance und Graffiti – aus Amerika nach Deutschland schwappte, habe er sich zunächst im Breakdance versucht, entdeckte dann aber das „DJing“ für sich. Anfangs flog er bei DJ-Wettbewerben noch in der Vorrunde raus. „Nach 22 Uhr wollten die keine 17-Jährigen mehr in ihren Discos sehen“, erzählt Busy lachend.

Doch es dauerte nicht lange, da heimste er Siege bei DJ-Wettbewerben des Disco Mix Clubs ein. Die Veranstalter waren Musikproduzenten und boten ihm eine Albumproduktion an. Gemeinsam mit zwei in Hessisch Oldendorf stationierten afroamerikanischen Soldaten, die er in der Disco Rodeo in Bad Oeynhausen kennenlernte, bildete er die Rap-Gruppe Blaque. Als ihre Tänzer fungierte damals der Nation Clan aus Bad Pyrmont, aus dem mit Costa Meronianakis später der 3P-Schützling Illmatic hervorging (wir berichteten).

Mit Blaque veröffentlichte Busy 1991 das Album „It’s a Blaque Thing“ – und das immerhin bei dem damals renommierten Plattenlabel Electrola. Der erhoffte Erfolg blieb jedoch aus. Den heimsten im Folgejahr die auf Deutsch rappenden Fantastischen Vier ein, vor allem mit dem Song „Die da“, der bezeichnenderweise dasselbe Sample (engl.: kleiner Ausschnitt eines Songs) von Bob James enthielt, das zuvor von Blaque verwendet worden war, erzählt Busy schmunzelnd.

Sein Smartphone klingelt. „Das ist Vinnie“, sagt Busy, bevor er rangeht. Vinnie ist Vincent von Schlippenbach und einer der Produzenten von The Krauts, die Yashas Single produziert haben. Es stellt sich heraus, dass sie an dem von Busy gemasterten Song doch noch gerne etwas ändern möchten. „Morgen reicht? Ok, dann bis morgen Mittag“, sagt Busy und legt auf. „Kommunikation ist das Wichtigste.“

Zurück ins Jahr 1992. Auf dem Stadtfest in Minden lernte Busy einen 13-jährigen Jungen kennen, der dort seinen ersten Auftritt als Rapper hatte und ihm begeistert von Blaque vorschwärmte – ohne zu wissen, dass er sich mit ihrem DJ unterhielt. Gleichzeitig konnte damals niemand wissen, dass aus dem Jungen namens Michael Sebastian Kurth ein paar Jahre später einer der größten Rapper Deutschlands werden sollte: Curse.

Die beiden freundeten sich an, nahmen gemeinsam Demos auf. 1997 bekam die Heidelberger Rapperin Cora E. die Aufnahmen zu hören. „Cora liebte die Beats und richtete eine Remix-Anfrage an mich“, erzählt Busy, der sich nicht zweimal bitten ließ und zusagte. Weitere Aufträge folgten, was ihm schließlich den Anstoß gab, seinen bürgerlichen Beruf als Radio- und Fernsehtechniker aufzugeben, um fortan professionell Musik zu machen.

Der Stein war ins Rollen gekommen, auf immer mehr einschlägigen deutschen Rap-Platten tauchte sein Name auf: Produziert oder gemischt von Sascha „Busy“ Bühren im True Busyness Studio in Bad Oeynhausen. Inzwischen war aus dem Mindener Michael S. Kurth „Curse“ geworden, der im Jahr 2000 sein wegweisendes erstes Soloalbum veröffentlichte: „Feuerwasser“ – unter maßgeblicher Beteiligung von Busy, versteht sich.

Im Beisein von Curse und Busy wurde das Album von Tony Dawsey in den berühmten Masterdisk Studios in New York gemastert. Ein Schlüsselmoment. Was Busy bei Dawsey, aber auch bei Audio Engineer Axel Niehaus im Electric Lady Studio zu sehen und vor allem zu hören bekam, beeindruckte ihn so sehr, dass er, zurück in Deutschland, selbst mit dem Mastern begann.

„Ich fand immer, dass der deutsche Sound billig klingt, und zog für mich daraus die Konsequenz, so wie die Amis klingen zu wollen“, schildert Busy. Sein Anspruch: „Mit kleinen Mitteln, aber großem Willen etwas schaffen: Der Sound soll teuer und international klingen.“

Seine große Chance bekam Busy 2003. Die Dancehall-Gruppe Seeed aus Berlin hatte ihr Album „Music Monks“ in den USA von Koryphäe Tom Coyne mastern lassen. Mit dem überraschenden Ergebnis, dass Seeed mit dem Sound völlig unzufrieden waren. So wollten sie es auf keinen Fall unter die Leute bringen. Ein Mitarbeiter von Warner Music empfahl ihnen Busy. Der nahm die irre Herausforderung, dass Album in nur einer Nacht zu mastern, an; Pierre Baigorry alias Peter Fox, der Kopf der Gruppe, fuhr aus Berlin nach Bad Oeynhausen und sah Busy, der bis dahin erst ein paar Masterings gemacht hatte, auf die Finger. „Ich war etwas nervös, denn ich wusste, wenn ich das verkacke, dann bekomme ich diese Chance nie wieder“, erinnert sich Busy. Am Ende waren zwölf der 14 Songs des Albums von Busy gemastert, nur noch zwei von Tom Coyne. Damit hatte die Szene den Mann aus Bad Oeynhausen auch international auf dem Plan.

Es folgte Auftrag auf Auftrag, Goldene auf Goldene und Platin- auf Platin-Platte. Nena, Silbermond, Selig und viele andere ließen ihre Alben jetzt von Busy mastern. Lena Meyer-Landrut gewann mit „Satellite“ den Eurovision Song Contest, und es war Busy, der auch diesem Song den letzten Schliff verpasste.

In der Praxis sieht das so aus: Busy sitzt, umgeben von Mischpulten, Lautsprechern, Computern und anderen Klangaufbereitungsgeräten, in der Regie, hört sich die zu bearbeitende Musik unzählige Male an, nimmt immer wieder neue Einstellungen an den Geräten vor – bis die Musik so klingt, dass der Konsument am Ende keine Änderungen an seiner Musikanlage vornehmen muss. „Meine Arbeit ist wie die eines Kosmetikers“, erklärt Busy. „Auch eine schöne Frau geht vielleicht mal zum Kosmetiker, einfach um noch ein paar Akzente setzen zu lassen und so noch schöner auszusehen.“

Inzwischen lebt Busy nicht mehr in Bad Oeynhausen, sondern in Berlin. Allerdings wagte der 42-Jährige diesen Schritt erst vor zweieinhalb Jahren. Die Umstellung war nicht leicht für ihn. „Ich bin ein Landei“, sagt Busy geradeheraus. Bis 2010 hatte er von dem zum Studio umfunktionierten Hobbykeller seiner Eltern aus das Land mit seinem Sound beglückt. Viele der Künstler und Geschäftspartner der großen Plattenfirmen bekam er nie zu Gesicht, alles lief über Telefon und Internet.

In Berlin angekommen, im tiefsten Winter, brauchte er etwas, um sich einzuleben. Aber dann gab ihm die Hauptstadt einen enormen Ansporn. „Bad Oeynhausen ist landschaftlich traumhaft, aber in musikalischer Hinsicht doch etwas verschlafen“, sagt er. In Berlin wurde er neu inspiriert, musikalisch wie persönlich. Anders als in Bad Oeynhausen geben sich die Künstler jetzt bei True Busyness die Klinke in die Hand – von Clueso bis Til Schweiger.

Und auch wenn Busy heute privat zum Runterkommen vorzugsweise Deep House hört, „mein Herz schlägt nach wie vor für Hip-Hop“. Seine Liebe für seine Wurzeln kommt nicht nur in seiner weiten Bluejeans und den Timberland-Stiefeln zum Ausdruck, sondern auch in seiner Freude über den Erfolg des Berliner Rappers Megaloh, dessen Album er gemastert hat und das im März prompt auf Platz 9 der Charts einstieg – „wie ,Feuerwasser‘ damals“, sagt Busy grinsend. Die Saga geht weiter…

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