Kultur SZ
Gewaltiger Orgelklang in der St.-Martini-Kirche Von Dietlind Beinssen
Stadthagen. Stilistisch abwechslungsreiche Programme machen Orgelkonzerte doch viel hörenswerter. Das hat Kantor Christian Richter am vergangenen Sonntag in der sehr gut besuchten Stadthäger St.-Martini-Kirche bewiesen. Der musikalische Bogen spannte sich von Couperin und Bach über Franck bis hin zu moderneren Komponisten wie Jean-Marie Plum und Eugène Gigout.
Mit Couperins „Sieben Orgelversen zum Gloria“ aus der „Messe à l’usage des Paroisses“ förderte der Kantor gleich ein vielfarbiges Werk mit polyphon durchwebtem Charakter zutage. Dank effektvoller Registrierung wurden die Sätze spannend und koloritreich ausgestattet. Diese Tugend setzte der Meister glücklicherweise in Bachs Trio über „Herr Jesu Christ, dich zu uns Wend“, BWV 655, fort und auch in „Toccata, Adagio und Fuge C-Dur“, BWV 564, blitzten des Spielers manuelle Fertigkeiten auf.
Das Stück verdankt seinen festlichen Charakter dem Umstand, dass Bach bei diesem Spätling die übliche Verbindung von Toccata und Fuge durch einen Adagio-Satz in der Mitte erweiterte. Damit hat der Thomaskantor nur dieses eine Mal aus der gewohnten Paarung der Sätze ein echtes Konzert entstehen lassen. Richter gab der Toccata die Fülle der locker gefügten musikalischen Einfälle und präsentierte auf diese Weise einen Bach, der im Klangbild fast modern anmutete und durch rasche Wechsel der aufgebauten und in den Raum gestellten Bilder aufhorchen ließ.
Bei Francks Prélude, Fugue, Variation h-Moll, op 18, ließ der Künstler mit viel Einfühlungsvermögen die einzelnen Formabschnitte durch höchst unterschiedliche Registerwahl sehr plastisch gegeneinander hervortreten. Als Experte von Stimmungsschilderungen erwies sich der Virtuose aber danach mit zwei unbestreitbaren Höhepunkten der Veranstaltung: Jean-Marie Plums (1899-1944) „Préambule – La vierge au rouet – Toscatina“ aus der Suite brève op. 173 sowie Eugène Gigouts (1844-1925) „Toccata h-Moll“, die wohl kaum emotional engagierter und technisch versierter zu hören sind. Diesen beiden motorisch hochbrisanten Tonschöpfungen verhalf Christian Richter zu solch spannenden Darstellungen und groß angelegten Steigerungen, dass die Kernorgel naturgemäß auf volle Touren kam.
An der üppigen Klangpalette des prachtentfaltenden Instrumentes fand das Auditorium in der Kirche viel Freude, denn es dankte mit geradezu stürmischem Beifall. Richter ließ dafür die Orgel mit der Toccata noch einmal aufbrausen.