Kultur SZ

Die weiche Tour zieht nicht mehr – jetzt ist Feierabend
Von Frank Westermann
Bückeburg. Nach wenigen Minuten steht die filmische Versuchsanordnung: Der Vater spielt abends mit der Tochter, die Mutter kocht fröhlich vor sich hin, als es an der Tür klopft und der weiße drogenverseuchte Abschaum der Straße sich schlagend, vergewaltigend und mordend seine blutige Bahn durch das häusliche Heim bricht. Die beiden Täter sind schnell gefasst, doch weil der eitle Staatsanwalt sich mehr um seine Schuldspruch-Statistik als um Gerechtigkeit sorgt, gibt es einen schnellen Handel: Der Haupttäter sagt aus und erhält drei Jahre, der andere wandert in die Todeszelle. Zurück bleibt mit Clyde Shelton ein fassungsloser Vater, der seine Familie verloren hat. „So funktioniert nun mal unser Rechtssystem“, belehrt ihn der Staatsanwalt. Zehn Jahre später wird der Mörder von damals tot aufgefunden, brutal misshandelt und hingerichtet. Schnell ist klar, wer verantwortlich ist. Aber der Schuldige dreht den Spieß um. Jetzt sitzen die Repräsentanten des Rechtsstaates auf Sheltons persönlicher Anklagebank. Und dort geht es endlich um Gerechtigkeit; hier wird streng gerichtet, denn mit der weichen Tour ist jetzt Feierabend, die zieht nicht mehr: Der Anwalt, der die Mörder verteidigt hat? Zur Hölle mit ihm. Die Richterin, die bei Absprachen mitspielt? Gleich hinterher. Die Staatsanwälte, die solche Deals aushandeln? Ab morgen servieren sie dem Teufel sein Frühstück.
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Rachefilme erleben seit zwei, drei Jahren eine Renaissance. Jodie Foster in „Die Fremde in Dir“, Kevin Bacon im ultraharten „Death Sentence“ sowie Liam Neeson in „96 Hours“ ließen keinen Zweifel daran, wonach sie greifen würden, wenn die Justiz versagt – Selbstjustiz war plötzlich wieder gesellschaftsfähig. „Das Gesetz der Rache“ fällt den Genregesetzen entsprechend brutal aus, bleibt aber in der Gesamtaussage sehr lange ambivalent: Der Film will Themen wie Todesstrafe, Moral, Selbstjustiz und Systemkritik durchaus ernsthaft behandeln – und schafft das durch einen dramaturgischen Kniff: Auch das juristische System wird aufs Schärfste kritisiert, zugleich wird Selbstjustiz als Ausweg abgelehnt; so weiß man lange nicht genau, wem man nun die Daumen drücken soll. Eine eindeutige Pro- oder Contra-Position verweigert der Film über lange Zeit. Er schenkt in der ersten Hälfte Gerard Butler als geschundenem Familienvater einen großen Sympathie- und Mitleidsbonus, doch ist dieser bald aufgebraucht: Butlers Figur, so zeigt sich, ist ein eiskalter Soziopath, der nach dem Tod von Frau und Kind sein antisoziales Verhalten in einem Rachefeldzug auslebt, dem er den dünnen Mantel der gerechten Moral umhängt.

Klarer Gewinner ist am Schluss Jamie Foxx als Staatsanwalt, der diesen rüden Reißer vor allem in den Dialog-Duellen mit Gerard Butler immer wieder erdet.

Das Ende ist eher schlicht: Das Recht mag Lücken haben, aber ein besseres gibt es eben nicht. Und einen Handel mit Angeklagten will dieser Staatsanwalt künftig nicht mehr eingehen. Dafür hört er lieber der Tochter beim Cellospielen zu.

Keine Frage: In den Videotheken wird dieser Film jede Menge Geld verdienen.

Dieser Mann hat Frau und Tochter verloren, aber dafür hat er jetzt einen Plan. Und ein paar Eisengitter können ihn bestimmt nicht stoppen: Gerard Butler ist auf einem Rachefeldzug.

Foto: Verleih

Artikel vom 08.01.2010 - 23.00 Uhr

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